Last updated: July 24, 2008 09:31 AM
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July 21, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Der Rechte Rand #113: ?Nazis und ihre Kinder?

Die vor kurzem erschienene Juli-August-Ausgabe der Fachzeitschrift Der Rechte Rand beschäftigt sich diesmal mit dem Schwerpunkt Nazis und ihre...

July 21, 2008 01:37 PM

July 20, 2008

Antifaschistische Linke Kitzingen (ALK)

Bilder sind da

Die Bilder vom Npd-Stand in Kitzingen sind jetzt endlich verfügbar!

Die könnt ihr euch hier anschauen und wir freuen uns immer über neue Infos über Rechtsradikale in eurer Region Dorf Stadt schickt sie uns einfach zu.

hetzjagd

by ALK at July 20, 2008 01:05 PM

July 19, 2008

Antifa Horgau

Das Kapital

Wer einen schnellen Überblick darüber haben will, was Marx auf den gut 1000 Seiten des ersten Bands der “Kritik der politischen Ökonomie” eigentlich alles so an dieser Wissenschaft - der direkten Vorläuferin der heutigen VWL - und an der “warenproduzierenden Gesellschaft” so alles zu kritisieren hat, dem sei diese Rezension des Buches, die Friedrich Engels 1868 für das “Demokratische Wochenblatt” verfasste, wärmstens an den Kopf gelegt. Und auch aus historischem Interesse enthält sie einige interessante Punkte.

Wenn man den Ausdruck “Taler” durch “Euro” ersetzt und andere historische Spezifika weglässt, wird man schnell feststellen, wie wenig sich in mancher Beziehung seit 140 Jahren geändert hat.

***

Das Kapital

I

Solange es Kapitalisten und Arbeiter in der Welt gibt, ist kein Buch erschienen, welches für die Arbeiter von solcher Wichtigkeit wäre, wie das vorliegende. Das Verhältnis von Kapital und Arbeit, die Angel, um die sich unser ganzes heutiges Gesellschaftssystem dreht, ist hier zum ersten Mal wissenschaftlich entwickelt, und das mit einer Gründlichkeit und Schärfe, wie sie nur einem Deutschen möglich war. Wertvoll wie die Schriften eines Owen, Saint-Simon, Fourier sind und bleiben werden - erst einem Deutschen war es vorbehalten, die Höhe zu erklimmen, von der aus das ganze Gebiet der modernen sozialen Verhältnisse klar und übersichtlich daliegt, wie die niederen Berglandschaften vor dem Zuschauer, der auf der höchsten Kuppe steht.

Die bisherige politische Ökonomie lehrt uns, daß die Arbeit die Quelle alles Reichtums und das Maß aller Werte ist, so daß zwei Gegenstände, deren Erzeugung dieselbe Arbeitszeit gekostet hat, auch denselben Wert besitzen und, da durchschnittlich nur gleiche Werte unter sich austauschbar sind, auch gegeneinander ausgetauscht werden müssen. Gleichzeitig lehrt sie aber, daß eine Art aufgespeicherter Arbeit existiert, welche sie Kapital nennt; daß dies Kapital durch die in ihm enthaltenen Hilfsquellen die Produktivität der lebendigen Arbeit ins Hundert- und Tausendfache steigert und dafür eine gewisse Vergütung in Anspruch nimmt, welche man Profit oder Gewinn nennt. Wie wir alle wissen, stellt sich dies in der Wirklichkeit so, daß die Profite der aufgespeicherten, toten Arbeit immer massenhafter, die Kapitalien der Kapitalisten immer kolossaler werden, während der Lohn der lebendigen Arbeit immer geringer, die Masse der bloß von Arbeitslohn lebenden Arbeiter immer zahlreicher und ärmer wird. Wie ist dieser Widerspruch zu lösen? Wie kann ein Profit für den Kapitalisten übrigbleiben, wenn der Arbeiter den vollen Wert der Arbeit ersetzt erhält, den er seinem Produkt zusetzt? Und da nur gleiche Werte ausgetauscht werden, so sollte dies doch der Fall sein. Andererseits, wie können gleiche Werte ausgetauscht werden, wie kann der Arbeiter den vollen Wert seines Produkts erhalten, wenn, wie von vielen Ökonomen zugegeben wird, dieses Produkt zwischen ihm und dem Kapitalisten geteilt wird? Die bisherige Ökonomie steht vor diesem Widerspruch ratlos da, schreibt oder stottert verlegene, nichtssagende Redensarten. Selbst die bisherigen sozialistischen Kritiker der Ökonomie sind nicht imstande gewesen, mehr zu tun, als den Widerspruch hervorzuheben; gelöst hat ihn keiner, bis Marx jetzt endlich den Entstehungsprozeß dieses Profits bis auf seine Geburtsstätte verfolgt und damit alles klargemacht hat.

Bei der Entwickelung des Kapitals geht Marx von der einfachen, notorisch vorliegenden Tatsache aus, daß die Kapitalisten ihr Kapital durch Austausch verwerten: Sie kaufen Ware für ihr Geld und verkaufen sie nachher für mehr Geld, als sie ihnen gekostet hat. Zum Beispiel ein Kapitalist kauft Baumwolle für 1.000 Taler und verkauft sie wieder zu 1.100 Taler, “verdient” also 100 Taler. Diesen Überschuß von 100 Talern über das ursprüngliche Kapital nennt Marx Mehrwert. Woraus entsteht dieser Mehrwert? Nach der Annahme der Ökonomen werden nur gleiche Werte ausgetauscht, und dies ist auf dem Gebiet der abstrakten Theorie auch richtig. Der Einkauf von Baumwolle und ihr Wiederverkauf kann also ebensowenig einen Mehrwert liefern wie der Austausch von einem Silbertaler gegen dreißig Silbergroschen und der Wiedereintausch der Scheidemünze gegen den Silbertaler, wobei man nicht reicher und nicht ärmer wird. Der Mehrwert kann aber ebensowenig daraus entstehen, daß die Verkäufer die Waren über ihren Wert verkaufen oder die Käufer sie unter ihrem Wert kaufen, weil jeder der Reihe nach bald Käufer, bald Verkäufer ist und sich dies also wieder ausgliche. Ebensowenig kann es daher kommen, daß die Käufer und Verkäufer sich gegenseitig übervorteilen, denn dies würde keinen neuen oder Mehrwert schaffen, sondern nur das vorhandene Kapital anders zwischen den Kapitalisten verteilen. Trotzdem daß der Kapitalist die Waren zu ihrem Wert kauft und zu ihrem Wert verkauft, zieht er mehr Wert heraus, als er hineinwarf. Wie geht dies zu?

Der Kapitalist findet unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen auf dem Warenmarkt eine Ware, welche die eigentümliche Beschaffenheit hat, daß ihr Verbrauch eine Quelle von neuem Wert, Schöpfung neuen Wertes ist, und diese Ware ist - die Arbeitskraft.

Was ist der Wert der Arbeitskraft? Der Wert jeder Ware wird gemessen durch die zu ihrer Herstellung erforderliche Arbeit. Die Arbeitskraft existiert in der Gestalt des lebendigen Arbeiters, der zu seiner Existenz sowie zur Erhaltung seiner Familie, welche die Fortdauer der Arbeitskraft auch nach seinem Tode sichert, einer bestimmten Summe von Lebensmitteln bedarf. Die zur Hervorbringung dieser Lebensmittel nötige Arbeitszeit stellt also den Wert der Arbeitskraft dar. Der Kapitalist zahlt ihn wöchentlich und kauft dafür den Gebrauch der Wochenarbeit des Arbeiters. Soweit werden die Herren Ökonomen so ziemlich mit uns über den Wert der Arbeitskraft einverstanden sein.

Der Kapitalist stellt seinen Arbeiter nun an die Arbeit. In einer bestimmten Zeit wird der Arbeiter soviel Arbeit geliefert haben, als in seinem Wochenlohn repräsentiert war. Gesetzt, der Wochenlohn eines Arbeiters repräsentiere drei Arbeitstage, so hat der Arbeiter, der montags anfängt, am Mittwochabend dem Kapitalisten den vollen Wert des gezahlten Lohnes ersetzt. Hört er dann aber auf zu arbeiten? Keineswegs. Der Kapitalist hat seine Wochenarbeit gekauft, und der Arbeiter muß die drei letzten Wochentage auch noch arbeiten. Diese Mehrarbeit des Arbeiters, über die zur Ersetzung seines Lohnes nötige Zeit hinaus, ist die Quelle des Mehrwerts, des Profits, der stets wachsenden Anschwellung des Kapitals.

Man sage nicht, es sei eine willkürliche Annahme, daß der Arbeiter in drei Tagen den Lohn wieder herausarbeite, den er erhalten hat, und die übrigen drei Tage für den Kapitalisten arbeite. Ob er gerade drei Tage braucht, um den Lohn zu ersetzen, oder zwei oder vier, ist allerdings hier ganz gleichgültig und wechselt auch nach den Umständen; aber die Hauptsache ist die, daß der Kapitalist neben der Arbeit, die er bezahlt, auch noch Arbeit herausschlägt, die er nicht bezahlt, und das ist keine willkürliche Annahme, denn an dem Tage, wo der Kapitalist auf die Dauer nur noch soviel Arbeit aus dem Arbeiter herausbekäme, wie er ihm im Lohn bezahlt, an dem Tage würde er seine Werkstatt zuschließen, da ihm eben sein ganzer Profit in die Brüche ginge.

Hier haben wir die Lösung aller jener Widersprüche. Die Entstehung des Mehrwerts (wovon der Profit des Kapitalisten einen bedeutenden Teil bildet) ist nun ganz klar und natürlich. Der Wert der Arbeitskraft wird gezahlt, aber dieser Wert ist weit geringer als derjenige, welchen der Kapitalist aus der Arbeitskraft herauszuschlagen versteht, und die Differenz, die unbezahlte Arbeit, macht gerade den Anteil des Kapitalisten, oder, genauer gesprochen, der Kapitalistenklasse aus. Denn selbst der Profit, den im obigen Beispiel der Baumwollhändler aus seiner Baumwolle herausschlug, muß, wenn die Baumwollpreise nicht gestiegen waren, aus unbezahlter Arbeit bestehen. Der Händler muß an einen Baumwollfabrikanten verkauft haben, der außer jenen 100 Talern noch einen Gewinn für sich aus seinem Fabrikat herausschlagen kann, der also die eingesteckte unbezahlte Arbeit mit ihm teilt. Diese unbezahlte Arbeit ist es überhaupt, welche alle nichtarbeitenden Mitglieder der Gesellschaft erhält. Aus ihr werden die Staats- und Gemeindesteuern, soweit sie die Kapitalistenklasse treffen, die Grundrenten der Grundbesitzer usw. gezahlt. Auf ihr beruht der ganze bestehende gesellschaftliche Zustand.

Andererseits wäre es abgeschmackt, anzunehmen, daß die unbezahlte Arbeit erst entstanden sei unter gegenwärtigen Verhältnissen, wo die Produktion von Kapitalisten einerseits und von Lohnarbeitern andererseits betrieben wird. Im Gegenteil. Die unterdrückte Klasse hat zu allen Zeiten unbezahlte Arbeit leisten müssen. Während der ganzen langen Zeit, wo die Sklaverei die herrschende Form der Arbeitsorganisation war, haben die Sklaven weit mehr arbeiten müssen, als ihnen in der Form von Lebensmitteln ersetzt wurde. Unter der Herrschaft der Leibeigenschaft und bis zur Abschaffung der bäuerlichen Fronarbeiter war dasselbe der Fall; hier tritt sogar der Unterschied handgreiflich zutage zwischen der Zeit, die der Bauer arbeitet für seinen eignen Lebensunterhalt und der Mehrarbeit für den Gutsherrn, weil eben die letztere von der ersteren getrennt vollzogen wird. Die Form ist jetzt verändert, aber die Sache ist geblieben, und solange “ein Teil der Gesellschaft das Monopol der Produktionsmittel besitzt, muß der Arbeiter, frei oder unfrei, der zu seiner Selbsterhaltung nötigen Arbeitszeit überschüssige Arbeitszeit zusetzen, um die Lebensmittel für die Eigner der Produktionsmittel zu produzieren” (Karl Marx).

II

Im vorigen Artikel sahen wir, daß jeder Arbeiter, der vom Kapitalisten beschäftigt wird, zweifache Arbeit verrichtet. Während eines Teils seiner Arbeitszeit ersetzt er den ihm vom Kapitalisten vorgeschossenen Lohn, und diesen Teil der Arbeit nennt Marx die notwendige Arbeit. Nachher aber hat er noch weiter fortzuarbeiten und produziert während dieser Zeit den Mehrwert für den Kapitalisten, wovon der Profit einen bedeutenden Teil ausmacht. Dieser Teil der Arbeit heißt die Mehrarbeit.

Wir nehmen an, der Arbeiter arbeite drei Tage der Woche zur Ersetzung seines Lohns und drei Tage zur Produktion von Mehrwert für den Kapitalisten. Anders ausgedrückt heißt dies, er arbeitet, bei täglich zwölfstündiger Arbeit, sechs Stunden täglich für seinen Lohn und sechs Stunden zur Erzeugung von Mehrwert. Aus der Woche kann man nur sechs, selbst mit Hinzuziehung des Sonntags nur sieben Tage schlagen, aber aus jedem einzelnen Tage kann man sechs, acht, zehn, zwölf, fünfzehn und selbst mehr Arbeitsstunden schlagen. Der Arbeiter hat dem Kapitalisten für seinen Taglohn einen Arbeitstag verkauft. Aber, was ist ein Arbeitstag? Acht Stunden oder achtzehn?

Der Kapitalist hat ein Interesse daran, daß der Arbeitstag so lang wie möglich gemacht werde. Je länger er ist, desto mehr Mehrwert erzeugt er. Der Arbeiter hat das richtige Gefühl, daß jede Stunde Arbeit, die er über die Ersetzung des Arbeitslohns hinaus arbeitet, ihm unrechtmäßig entzogen wird; er hat an seinem eignen Körper durchzumachen, was es heißt, überlange Zeit zu arbeiten. Der Kapitalist kämpft für seinen Profit, der Arbeiter für seine Gesundheit, für ein paar Stunden täglicher Ruhe, um außer Arbeiten, Schlafen und Essen sich auch noch sonst als Mensch betätigen zu können. Beiläufig bemerkt, hängt es gar nicht vorn guten Willen der einzelnen Kapitalisten ab, ob sie sich in diesen Kampf einlassen wollen oder nicht, da die Konkurrenz selbst den philanthropischsten unter ihnen zwingt, sich seinen Kollegen anzuschließen und so lange Arbeitszeit zur Regel zu machen wie diese.

Der Kampf um die Feststellung des Arbeitstags dauert vom ersten geschichtlichen Auftreten freier Arbeiter bis auf den heutigen Tag. In verschiedenen Gewerben herrschen verschiedene herkömmliche Arbeitstage; aber in der Wirklichkeit werden sie selten eingehalten. Nur da, wo das Gesetz den Arbeitstag feststellt und seine Einhaltung überwacht, nur da kann man wirklich sagen, daß ein Normalarbeitstag besteht. Und dies ist bis jetzt fast nur der Fall in den Fabrikdistrikten Englands. Hier ist der zehnstündige Arbeitstag (10 1/2 Stunden an fünf Tagen, 7 1/2 am Samstag) für alle Frauen und für Knaben von 13 bis 18 Jahren festgestellt, und da die Männer nicht ohne jene arbeiten können, so fallen auch sie unter den zehnstündigen Arbeitstag. Dies Gesetz haben die englischen Fabrikarbeiter durch jahrelange Ausdauer, durch den zähesten, hartnäckigsten Kampf mit den Fabrikanten, durch die Preßfreiheit, das Koalitions- und Versammlungsrecht sowie durch geschickte Benutzung der Spaltungen in der herrschenden Klasse selbst erobert. Es ist das Palladium der Arbeiter Englands geworden, es ist nach und nach auf alle großen Industriezweige und im vorigen Jahre fast auf alle Gewerbe ausgedehnt worden, wenigstens auf alle, in denen Frauen und Kinder beschäftigt werden. Über die Geschichte dieser gesetzlichen Regelung des Arbeitstags in England enthält das vorliegende Werk ein höchst ausführliches Material. Der nächste “Norddeutsche Reichstag” wird auch eine Gewerbeordnung zu beraten haben und damit die Regelung der Fabrikarbeit. Wir erwarten, daß keiner der Abgeordneten, die von deutschen Arbeitern durchgesetzt worden sind, an die Beratung dieses Gesetzes geht, ohne sich vorher mit dem Marxschen Buch vollkommen vertraut gemacht zu haben. Es ist da vieles durchzusetzen. Die Spaltungen in den herrschenden Klassen sind den Arbeitern günstiger, als sie je in England waren, weil das allgemeine Stimmrecht die herrschenden Klassen zwingt, um die Gunst der Arbeiter zu buhlen. Vier oder fünf Vertreter des Proletariats sind unter diesen Umständen eine Macht, wenn sie ihre Stellung zu benutzen wissen, wenn sie vor allen Dingen wissen, um was es sich handelt, was die Bürger nicht wissen. Und dazu gibt ihnen Marx’ Buch alles Material fertig an die Hand.

Wir übergehen eine Reihe weiterer sehr schöner Untersuchungen von mehr theoretischem Interesse und kommen nur noch auf das Schlußkapitel, das von der Akkumulation oder Anhäufung des Kapitals handelt. Hier wird zuerst nachgewiesen, daß die kapitalistische, d.h. durch Kapitalisten einerseits und Lohnarbeiter andererseits bewirkte Produktionsmethode nicht nur dem Kapitalisten sein Kapital stets neu produziert, sondern daß sie auch gleichzeitig die Armut der Arbeiter immer wieder produziert; so daß dafür gesorgt ist, daß stets aufs neue auf der einen Seite Kapitalisten bestehen, welche die Eigentümer aller Lebensmittel, aller Rohprodukte und aller Arbeitsinstrumente sind, und auf der andern Seite die große Masse der Arbeiter, welche gezwungen ist, ihre Arbeitskraft diesen Kapitalisten für ein Quantum Lebensmittel zu verkaufen, das im besten Falle eben hinreicht, sie in arbeitsfähigem Zustande zu erhalten und ein neues Geschlecht arbeitsfähiger Proletarier heranzuziehen. Das Kapital aber reproduziert sich nicht bloß: es wird fortwährend vermehrt und vergrößert - damit seine Macht über die eigentumslose Klasse von Arbeitern. Und wie es selbst in stets größerem Maßstabe reproduziert wird, so reproduziert die moderne kapitalistische Produktionsweise ebenfalls in stets größerem Maßstabe, in stets wachsender Zahl die Klasse besitzloser Arbeiter, “Die Akkumulation des Kapitals reproduziert das Kapitalverhältnis auf erweiterter Stufenleiter, mehr Kapitalisten oder größere Kapitalisten auf diesem Pol, mehr Lohnarbeiter auf jenem … Akkumulation des Kapitals ist also Vermehrung des Proletariats.” (Karl Marx) Da aber durch den Fortschritt der Maschinerie, durch verbesserten Ackerbau etc. stets weniger Arbeiter benötigt werden, um ein gleiches Quantum Produkte hervorzubringen, da diese Vervollkommnung, d.h. diese Überzähligmachung von Arbeitern rascher wächst als selbst das wachsende Kapital, was wird aus dieser stets zunehmenden Zahl von Arbeitern? Sie bilden eine industrielle Reservearmee, welche während schlechter oder mittelmäßiger Geschäftszeiten unter dem Wert ihrer Arbeit bezahlt und unregelmäßig beschäftigt wird oder der öffentlichen Armenpflege anheimfällt, die aber der Kapitalistenklasse zu Zeiten besonders lebhaften Geschäfts unentbehrlich ist, wie dies in England handgreiflich vorliegt, - die aber unter allen Umständen dazu dient, die Widerstandskraft der regelmäßig beschäftigten Arbeiter zu brechen und ihre Löhne niedrig zu halten. “Je größer der gesellschaftliche Reichtum …, desto größer die relative Surpluspopulation” (überzählige Bevölkerung) “oder industrielle Reservearmee. Je größer aber diese Reservearmee im Verhältnis zur aktiven” (regelmäßig beschäftigten) “Arbeiterarmee, desto massenhafter die konsolidierte” (ständige) “Surpluspopulation oder die Arbeiterschichten, deren Elend im umgekehrten Verhältnis steht zu ihrer Arbeitsqual. Je größer endlich die Lazarusschichte der Arbeiterklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der offizielle Pauperismus. Dies ist das absolute, allgemeine Gesetz der kapitalistischen Akkumulation.” (Karl Marx)

Dies sind, streng wissenschaftlich nachgewiesen - und die offiziellen Ökonomen hüten sich wohl, auch nur den Versuch einer Widerlegung zu machen1 -, einige der Hauptgesetze des modernen, kapitalistischen gesellschaftlichen Systems. Aber ist damit alles gesagt? Keineswegs. Ebenso scharf wie Marx die schlimmen Seiten der kapitalistischen Produktion hervorhebt, ebenso klar weist er nach, daß diese gesellschaftliche Form notwendig war, um die Produktivkräfte der Gesellschaft auf einen Höhegrad zu entwickeln, der eine gleiche menschenwürdige Entwicklung für alle Glieder der Gesellschaft möglich machen wird. Dazu waren alle früheren Gesellschaftsformen zu arm. Erst die kapitalistische Produktion schafft die Reichtümer und die Produktionskräfte, welche dazu nötig sind, aber sie schafft auch gleichzeitig in den massenhaften und unterdrückten Arbeitern die Gesellschaftsklasse, die mehr und mehr gezwungen wird, die Benutzung dieser Reichtümer und Produktivkräfte für die ganze Gesellschaft - statt wie heute für eine monopolistische Klasse - in Anspruch zu nehmen.

Quelle
[Anmerkung: der Artikel ist üblicherweise auch im Anhang des besprochenen Buches selbst enthalten.]

  1. Eine kleine Anmerkung: daran hat sich meines Wissens auch bis heute nichts geändert. Mir zumindest ist keine Kritik an Marx’ Theorien bekannt, die über die üblichen Moralismen und Empörungen über Marx’ Privatleben hinausgehen würde und nicht marxistisch motiviert ist. [zurück]

by Bärbel at July 19, 2008 08:42 AM

July 18, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Unterschriften gefälscht? Hausdurchsuchungen bei der NPD-Oberbayern

Die Probleme der NPD, die zum Wahlantritt in Oberbayern notwendigen 2000 Unterstützungsunterschriften zusammenzubekommen (http://wahlen.aida-archiv.de/index.php?option=com_content task=view id=1164 Itemid=1148), sind schon vor...

July 18, 2008 03:03 PM

July 17, 2008

a.i.d.a. - Termine für München

23. Juli 2008, Kafe Marat

Berlusconi zum zweiten. Kapitalismus an der Macht - Kontrolle über die Medien, Militarisierung neuer Faschismus.

July 17, 2008 03:38 PM

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Statt Sommerpause: Juli-Ausgabe des Antifa-Magazins bei Radio Lora

Auch im Juli ist es wieder soweit: Das a.i.d.a.-Archiv geht mit einer weiteren Ausgabe seines Antifa-Magazins auf Sendung. Von 19...

July 17, 2008 02:00 AM

July 16, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

"Plan B" der Neonazis: Heß-Ehrung bei Wunsiedel wird privatisiert

Wunsiedel. Eine Heß-Gedenkveranstaltung soll auf jeden Fall in diesem Jahr im Umkreis von Wunsiedel stattfinden, kündigte heute der...

July 16, 2008 02:00 AM

July 15, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Nersingen: Neonazis schießen auf Partygäste

Mitglieder der Kameradschaft Neu-Ulm (KSNU) griffen in der Nacht vom 5. auf den 6. Juli 2008 Gäste einer...

July 15, 2008 11:11 PM

July 10, 2008

Antifa Horgau

Die Klassiker des Liberalismus

Die wahre Freude eines ermüdeten Lesers des “Kapitals” von Karl Marx* sind die Fußnoten. Dort findet sich z.B. im Kapitel “Der sogenannte Arbeitsfond” folgende Passage zum sympathischen Vordenker des Liberalismus wie der modernen Disziplinargesellschaft, Jeremias Bentham, der vielen aus dem Ethik- bzw. Religionsunterricht bekannt sein dürfte.
Sie ist nicht nur schön polemisch, sondern enthält in der Tat eine recht gute Kritik am Utilitarismus bzw. am bürgerlichen Alltagsdenken allgemein, die einer Zitation wert ist.

Aber dieses Vorurteil ward erst zum Dogma befestigt durch den Urphilister Jeremias Bentham, dies nüchtern pedantische, schwatzlederne Orakel des gemeinen Bürgerverstands des 19. Jahrhunderts. Bentham ist unter den Philosophen, was Martin Tupper unter den Dichtern. Beide waren nur in England fabrizierbar.

Jeremias Bentham ist ein rein englisches Phänomen. Selbst unsern Philosophen Christian Wolff nicht ausgenommen, hat zu keiner Zeit und in keinem Land der hausbackenste Gemeinplatz sich jemals so selbstgefällig breit gemacht. Das Nützlichkeitsprinzip war keine Erfindung Benthams. Er reproduzierte nur geistlos, was Helvetius und andre Philosophen des 18. Jahrhunderts geistreich gesagt hatten. Wenn man z.B. wissen will, was ist einem Hund nützlich?, so muß man die Hundenatur ergründen. Diese Natur selbst ist nicht aus dem “Nützlichkeitsprinzip” zu konstruieren. Auf den Menschen angewandt, wenn man alle menschliche Tat, Bewegung, Verhältnisse usw. nach dem Nützlichkeitsprinzip beurteilen will, handelt es sich erst um die menschliche Natur im allgemeinen und dann um die in jeder Epoche historisch modifizierte Menschennatur. Bentham macht kein Federlesens. Mit der naivsten Trockenheit unterstellt er den modernen Spießbürger, speziell den englischen Spießbürger, als den Normalmenschen. Was diesem Kauz von Normalmenschen und seiner Welt nützlich, ist an und für sich nützlich. An diesem Maßstab beurteilt er dann Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Z.B. die christliche Religion ist “nützlich”, weil sie dieselben Missetaten religiös verpönt, die der Strafkodex juristisch verdammt. Kunstkritik ist “schädlich”, weil sie ehrbare Leute in ihrem Genuß an Martin Tupper stört usw. Mit solchem Schund hat der brave Mann, dessen Devise: “nulla dies sine linea” [kein Tag ohne geschriebene Zeile], Berge von Büchern gefüllt. Wenn ich die Courage meines Freundes H. Heine hätte, würde ich Herrn Jeremias ein Genie in der bürgerlichen Dummheit nennen.

Aus: Marx, Karl: Das Kapital Bd. 1; Dietz Verlag; Berlin, 1957; S. 640/Anm. 63.

Zur Demonstration der Intelligenz dieses Mannes sei hier noch ein paar seiner “lineae” zitiert, die frapide an die geistigen Hochleistungen heutiger Liberaler erinnert:

Hier möchte ich mit einem gefühlvollen, mitleidigen Freund einen Waffenstillstand schließen, wenn ich eine so aufs Geld ausgerichtete Sprache rede. Ich tue es notgedrungen und möchte auch die Menschheit dazu auffordern, es nur notgedrungen zu tun. Das Thermometer ist das Instrument, um draußen die Temperatur zu messen; das Barometer ist das Instrument, um den Luftdruck zu messen. Wer mit der Genauigkeit dieser Instrumente nicht zufrieden ist, muß andere zu finden suchen, oder er muß der Naturwissenschaft Lebewohl sagen. Das Geld ist das Instrument, um die Menge des Schmerzes oder der Lust zu messen. […] Daher sollte niemand erstaunt oder empört sein, wenn er findet, daß ich in dieser Arbeit alles am Geldwert messe[.]

Aus: Bentham, Jeremy (1981, zuerst 1843) : Zur Philosophie der ökonomischen Wissenschaft; in: Gall Lothar/Koch, Rainer (Hrsgb.): Der europäische Liberalismus im 19. Jahrhundert; S. 269
Zitiert nach: Kurz, Robert: Schwarzbuch Kapitalismus; Ullstein Verlag, 2003; S. 88 f.

by Bärbel at July 10, 2008 03:17 AM

July 09, 2008

a&p München

"Der ganze Südosten ist unser Hinterland"

Eine Buchvorstellung mit Klaus Thörner (Oldenburg) am Freitag, 11. 07. 2008 in München, Kulturladen Westend, Ligsalzstr. 44 (U 4/5 Schwanthalerhöhe) 20.00 Uhr Analysen zur aktuellen deutschen Südosteuropapolitik blieben bisher weitgehend geschichtslos. Eine umfassende Darstellung der Südosteuropapolitik des Deutsches Reiches vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Nationalsozialismus

by a&p München (noreply@blogger.com) at July 09, 2008 05:40 PM

July 08, 2008

Antifa Horgau

Leitkultur?

Für deutsche Fans des Superstars: madonna.de.

by Bärbel at July 08, 2008 04:14 PM

July 05, 2008

Antifa Horgau

Kritische Reporter decken auf

So harmlos präsentiert sich die Lustige-Mützen-Garde des Buckingham-Palasts nach außen:


(Gut ist auch dieses Video, das man leider nicht direkt posten kann.)

Doch hinter den Kulissen erklingen ganz andere Töne:


Welche Allegorie auf unser gesellschaftliches Gesamtsystem!

by Bärbel at July 05, 2008 09:52 AM

July 04, 2008

a.i.d.a. - Termine für München und Süddeutschland

26. Juli 2008, Augsburg

Infostand der VVN/BdA von 10-16 Uhr Bahnhofstr./Fuggerstr.

July 04, 2008 03:18 PM

22. Juli 2008, Dachau

Damit wir uns nicht verlieren. Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Sophie Scholl und Fritz Hartnagel.

July 04, 2008 03:13 PM

a.i.d.a. - Termine für München

19. und 20. Juli 2008, Platz der Opfer des Nationalsozialismus

Interkultureller Stadtrundgang Der Nationalsozialismus in München . Jugendliche begleiten Bürgerinnen und Bürger.

July 04, 2008 02:20 PM

July 03, 2008

a.i.d.a. - Termine für München

9. Juli 2008

Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus.

July 03, 2008 04:32 PM

July 01, 2008

Antifa Horgau

Sozialtechnologie

Zur Lage der Sozialwissenschaft heute.
Da bleibt einem als Kommentar eigentlich nur: “Scheißpositivismus” (Karl Marx über Auguste Comte, Vordenker jener “Wissenschaft”)

by Bärbel at July 01, 2008 05:49 AM

June 29, 2008

a.i.d.a. - Termine für München

3. Juli 2008

Antifa Café im Kafe Marat

June 29, 2008 02:07 PM

June 28, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

NPD-Wahlkampfveranstaltung in Bayreuth verhindert

Eine Wahlkampfveranstaltung des NPD-Bezirksverbands Oberfranken mit Infostand und Redebeiträgen ist am Freitagnachmittag von mehreren Hundert Protestierenden verhindert worden. Als...

June 28, 2008 07:20 PM

June 26, 2008

Antifa Horgau

Aus aktuellem Anlass

Vier Jahre lang kämpfte Deutschland zu Lande, zu Wasser und in der Luft gegen die fünf Kontinente der Erde. Deutsche Armeen hielten die wankenden Verbündeten aufrecht, intervenierten auf jedem Kriegsschauplatz mit Erfolg, standen überall auf erobertem Boden und brachten ihren Gegnern Blutverluste bei, doppelt so schwer als jene, die sie selber erlitten. Um die Macht ihrer Wissenschaft und Wut zu brechen, war es notwendig, alle großen Nationen der Menschheit gegen sie ins Feld zu bringen. Überwältigende Bevölkerungszahlen, unbekannte Hilfsmittel, unerhörte Opfer, die Blockade zur See konnte fünfzig Monate lang sie nicht bezwingen. Kleine Staaten wurden im Kampfe niedergetrampelt; ein mächtiges Reich zerschlagen, in unkenntliche Fragmente aufgelöst; nahezu 20 Millionen Menschen starben oder vergossen ihr Blut, bevor das Schwert dieser furchtbaren Hand entwunden war. Deutschland, das ist genug für die Geschichte!

Winston Churchill über den ersten Weltkrieg.

by Bärbel at June 26, 2008 03:38 PM

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Verbot von Heß-Demos in Wunsiedel bestätigt

Leipzig. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat am heutigen Mittwoch das Verbot der Neonazi-Aufmärsche zu Ehren des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß im...

June 26, 2008 11:45 AM

June 24, 2008

Antifaschistische Linke Kitzingen (ALK)

NPD Infostand aus Kitzingen vertrieben

Die NPD geht auf Stimmensuche für die im September stattfindenden Landtagswahlen und verirrt sich auch in Kitzingen. Nachdem am Montag den 02. Juni 2008 der Infostand ungestört von statten gehen konnte, stieß der Infostand am Donnerstag und Freitag (05. + 06. Juni) auf großen Widerstand. Mit dem Ergebnis dass die Nationalisten umgehend flüchteten.

Als am Donnerstag eine Gruppe von AntifaschistInnen sich in Nähe von dem Infostand gebildet hatte verschwanden die Nazis nach erblicken der AntifaschistInnen ins Rathaus und erbitteten dort Schutz. Kurze Zeit später erschien die Polizei und nahm willkürlich 7 Personen fest, da sie vor dem Rathaus auf einen Platz saßen. Doch nach 1,5 Stunden waren auch diese wieder auf freien Fuß. Aus Angst wurde der Stand an diesem Tag auch nicht mehr aufgestellt. Desweiteren konnten auch ein paar Fotos von den Nasen gemacht werden. Also in der Regel ein recht erfolgreicher Tag für uns!

Am Freitag den 06. Juni versammelte sich um 14 Uhr ein ca. 35 Mensch starker Mob am Kitzinger Hauptbahnhof um mit einer Spontandemonstration lautstark durch die gesamte Innenstadt zu ziehen. Als die Faschos ?die den Platz des Infostandes wechselnden- davon erfuhren packten sie wieder ganz schnell ihren braunen Dreck ein und verschwanden. Kurz bevor wir unser Ziel an diesem Wochenende stattfindenden Kitzinger Stadtfest erreichten, gesellte sich die überforderte Dorfpolizei dazu und war sofort mit 4 Streifenwagen und einigen Zivilcops vor Ort. An einem Supermarkt brachten sie die Demo dann zum stehen und es wurden wieder einmal alle Personalien der Teilnehmer aufgenommen. Es wurde vereinbart dass wir die Demonstration unter Polizeibegleitung noch bis zum Stadtfest machen und mit einer Kundgebung dort die Veranstaltung aufzulösen. Alles in einem wiederum ein sehr erfolgreicher Tag unsererseits.
Nun noch was kurzes zu den Faschos. Nachdem sie am Montag mit nur 2 Unterschriften nicht gerade erfolgreich waren, wurden sie am Donnerstag und Freitag erfolgreich aus Kitzingen vertrieben. So kann?s weiter gehen.
Am Samstag 07.06.08 wurde nochmals ein nicht gerade erfolgreicher Infostand aufgestellt, doch diesmal mit Polizeischutz! Einige AntifaschistInnen waren wieder vor Ort um ein paar Fotos von den Nasen zu schießen!
Diese Fotos werden in kürze erscheinen.

Fals eine Nase nicht möchte das ihr Foto erscheint dann schicke uns einfach eine Kopie deines Personalausweises per E-mail und wir werden das Foto sofort aus der Webseite entfernen.

Auch die Mainpost schrieb einen sehr guten Artikel über die Sponti den man hier lesen kann.

npd kt vertrieben

by ALK at June 24, 2008 06:49 PM

Demo in Stuttgart gegen den ?Politischen Schauprozess in Stammheim?

weg mit 129 stuttgard

Aufgrund des in Stuttgart-Stammheim seit dem 17. März 2008 laufenden Verfahrens gegen 5 angebliche ?Mitglieder der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front DHKP-C? startete die vom ?Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen? und dem ?Komitee gegen §§129? initierte bundesweite Veranstaltungstour mit zwei Veranstaltungen in Berlin und Magdeburg.
Diese Aktionen, die in diesem Rahmen stattfinden, sollen auf den Prozess aufmerksam machen und zur Demonstration am 5. Juli in Stuttgart mobilisieren.
Aufgrund des in Stuttgart-Stammheim seit dem 17. März 2008 laufenden Verfahrens gegen 5 angebliche ?Mitglieder der Revolutionären Volksbefreiungspartei-Front DHKP-C? startete die vom ?Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen? und dem ?Komitee gegen §§129? initierte bundesweite Veranstaltungstour mit zwei Veranstaltungen in Berlin und Magdeburg. Diese Aktionen, die in diesem Rahmen stattfinden, sollen auf den Prozess aufmerksam machen und zur Demonstration am 5. Juli in Stuttgart mobilisieren.

weiter Infos hier

by ALK at June 24, 2008 04:00 PM

June 20, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Rechter Parteitag in Oberbayern

Rosenheim. Parallel zu der als Europa-Kongress angekündigten Veranstaltung der Republikaner (REP) in Rosenheim soll offenbar ein Bundes-Parteitag der...

June 20, 2008 03:06 PM

June 19, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Bamberg: Keine NPD im Hegelsaal

Bamberg/München. Erneut wollte die NPD den Hegel-Saal in Bamberg heimsuchen, doch für die am 14. September geplante Veranstaltung zur Landtagswahl...

June 19, 2008 11:43 AM

June 18, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Juni-Ausgabe des Antifa-Magazins bei Radio Lora

Am 25. Juni 2008 ist es wieder soweit: Das a.i.d.a.-Archiv geht mit einer neuen Ausgabe seines Antifa-Magazins auf Sendung. Von...

June 18, 2008 03:00 AM

June 16, 2008

Antifaschistische Linke Kitzingen (ALK)

Was tun, wenn´s brennt! ? Gegen die Nazifizierung der Provinz

agst Antifa

Rechte Gewalt im Ilmkreis - längst keine Seltenheit mehr

Auch wenn viele der sogenannten “Normalbürger” sie bisher nur aus den Medien kennen, da sie selbst (noch) nicht von dieser Bedrohung betroffen sind, stellt die zunehmende Gewaltbereitschaft Thüringer Neonazis eine nicht zu unterschätzende Gefahr für alternative Jugendliche, MigrantInnen und alle Anderen, die nicht ins kranke Weltbild der extremen Rechten passen, dar.

Den Beweis für ihre Skrupellosigkeit lieferten Rechtsradikale in der Nacht zum 16.04.2008 erneut selbst, als sie in Langewiesen einen Brandanschlag auf den alternativen Jugendtreff “Garage” verübten, worin sich zu diesem Zeitpunkt noch zwei Menschen aufhielten, deren Leben somit von den Neonazis bewußt aufs Spiel gesetzt wurde. Auch handelt es sich bei diesem Anschlag nicht um den ersten, welcher in Langewiesen verübt wurde. Bereits im September 2005 sowie im April 2006 wurde die Garage von Neonazis angegriffen, aufgebrochen, die Inneneinrichtung zerstört und in Brand gesteckt.
Die Rechtsextremen, welche die Garage im April 2006 angriffen, sammelten sich vorher auf dem Langewiesener Maibaumfest, von wo aus sie bereits mit Flaschenwürfen und Faustschlägen Jagd auf alternative Jugendliche machten. Ein Mädchen musste daraufhin im Krankenhaus behandelt werden.

Langewiesen ist jedoch bei weitem nicht der einzige Brennpunkt rechtsextremer Gewalt im Ilmkreis. Der Angriff auf ausländische StudentInnen und UniversitätsmitarbeiterInnen in Ilmenau war zwar die von den Medien am meisten beachtete Eskalation der Rechten, aber leider nur die Spitze des Eisbergs. Alternative Jugendliche, Linke, Punks und MigrantInnen leben in Ilmenau nach wie vor gefährlich. Beleidigungen und Bedrohungen, sowie Körperverletzungen und selbst das zücken von Messern gehören in Ilmenau mittlerweile zum traurigen Alltag.
Erst im März diesen Jahres kam es in einer Ilmenauer Sparkasse zu einen Übergriff von Neonazis auf einen jungen Punk, dem gedroht wurde, man werde ihn töten, sollte er versuchen das Gebäude zu verlassen.
Eine knappe Woche später wurde ein Student aus Kamerun in der Ilmenauer Innenstadt von Neonazis angegriffen und geschlagen.

by ALK at June 16, 2008 05:15 PM

Antifa Horgau

Argumente gegens Feiern

Zur Kritik am Kult der Meister-, der zugleich ein Kult der Herrschaft ist.

Egal, wie das heutige Spiel Deutschland gegen Österreich ausgehen mag: dieses Jahr hat der kollektive Wahnsinn anlässlich eines sportlichen Großereignisses offensichtlich eine neue Qualität erreicht. War es bei der WM 2006 noch so, dass die ?Party-Stimmung? teilweise recht zögerlich anlief, so waren diesmal bereits Wochen vor der EM die ersten Fähnchen zu sehen. Auch die kommerzielle Vermarktung scheint ausgeklügelter zu sein: diverse Märkte bedenken ihre Kunden mit Rabatten, wenn Deutschland ein Tor schießt, und selbst noch auf Zigarettenpackungen glänzt die deutsche Trikolore. Das alltägliche Gespräch ist ebenfalls absolut fußballdominiert: statt übers Wetter redet man, wenn man nichts Besseres weiß, einfach über die letzten Spielergebnisse. Dennoch habe ich zumindest nicht das Gefühl, dass sich der Party-Sommer wirklich wiederholen wird. Wahrscheinlich bemüht man sich einfach zu sehr, ihn zu wiederholen, als dass es funktionieren könnte. Und außerdem ist die ?WM 2006? ohnehin eher ein von interessierten Kreisen kreierter Mythos, der wenig mit der Realität der meisten Menschen zu tun hat. Wie bei einem belanglosen Familienfest, von dem man noch nach Jahren berichtet, obwohl es ein Viertel der Besucher zum Kotzen und ein Drittel langweilig fand.


Die Wut darüber, dass man in der prallen Sonne neben nach Schweiß stinkenden Idioten stehen “muss”, die man nicht zeigen geschweige denn fühlen darf, entlädt sich projektiv am Schiedsrichter.

Das Gefühl, dass die Leute anlässlich der EM, aber auch schon zur WM 2006, permanent mit einem Mythos von ihrem eigenen Verhalten, der dann wiederum in mythischer Form zur Wirklichkeit wird, konfrontiert werden, verwiese zumindest darauf, dass das ganze Spektakel eine ziemliche Inszenierung ist, in der noch jeder, der auch nur im Smalltalk das schlechte Spiel der Deutschen im letzten Spiel erwähnt, seine Rolle spielt. Wenn dem so ist, dann würde die in der Linken übliche Kritik am Nationalismus des fahnenschwenkenden Mobs am Wesenskern der Sache meilenweit vorbeischrammen ? denn das ginge es nicht nur darum, dass sich Staatsbürger in entpolitisierter Form für ihren Staat begeistern, sondern vielmehr darum, dass in solchen Trends die Selbstentfremdung* der Menschen, ohne dass sie sich, aus wiederum der Sache selbst immanenten* Gründen, dessen auch nur für einen Moment bewusst würden, zur Perfektion getrieben wird.

Vom Nationalismus der alten Form ist der neue, wenn er denn überhaupt so massenhaft auftritt, wie oft behauptet wird (in Wahrheit haben höchstens 10% der Menschen eine Deutschlandflagge an Fahrzeug oder Haus), schon allein wegen dieser entpolitisierten Form wesentlich unterschieden. Gleichzeitig geht es in ihm bereits auf sprachlicher Ebene, wenn z.B. permanent nicht von ?der deutschen? sondern ?unserer? Mannschaft die Rede ist, durchaus nicht nur um Fußball, sondern in der Tat um die Konstruktion eines Kollektivs, dass mit anderen Kollektiven in Konkurrenz tritt. In diesem ganzen Diskurs wird zwischen einzelnen Individuen und Kollektiven eben überhaupt kein Unterschied gemacht. Nicht die polnische Nationalmannschaft, sondern ?die Polen? stehen auf dem Platz. Indem das vereinzelte Individuum, der Fan ?seiner? Mannschaft, so an dieser virtuell direkt partizipiert, wird gerade dessen Vereinzelung virtuell aufgehoben und sein objektiv dummes Handeln ? Geld für Fan-Accessoires, die er nur alle paar Jahre benutzen kann z.B. ? eine virtuelle Rationalität und Sinnhaftigkeit verliehen. Dabei kann man ruhig von der WM abstrahieren ? eigentlich funktioniert die gesamte Massensportkultur nach diesem ans Mittelalter erinnernden Mystifizierung des individuellen Handelns bzw. eigentlich fußt ein guter Teil des gewöhnlich bürgerlichen Alltagsbewusstsein und ?handelns auf derartigen Halluzinationen. Etwa wenn in der ?Du bist Deutschland?-Kampange der Einzelne mit einem Schmetterling, der einen Wirbelsturm auslöst, verglichen wird. Um es auf den Punkt zu bringen: jemand, der etwa einbildet, Kontakt mit höheren Mächten zu haben, die zu ihm sprechen und eine Mission verleihen (z.B., jemanden umzubringen), wird in dieser Gesellschaft höchstwahrscheinlich in der Psychiatrie gesteckt und mit Beruhigungsmitteln voll gepumpt. Sich einzubilden, von seinen Anfeuerungsrufen vor dem Fernseher hinge der Erfolg von 11 Fußballern ab, gilt hingegen als normales und gar wünschenswertes Verhalten.


Während die Großen infantil werden, fühlt sich der Kleine ganz groß.

Gleichzeitig ist es natürlich nicht so, dass die Leute, denen das runde Leder heilig ist, sich den Spaß den sie haben und das gute Gefühl, ?dabei zu sein?, nur einbilden würden. Das haben sie natürlich und dagegen kann man auch erstmal nichts sagen, solange ihre Identifikation mit der eigenen Mannschaft nicht soweit geht, dass sie diejenigen, gegen die ?wir? gespielt haben, also etwa die Italiener, nach dem Spiel mal ordentlich verprügelt, wie es nach dem Halbfinale 2006 ja in zahlreichen Fällen der Fall war und was nach der oben entwickelten Logik eines Fußballfans (italienische Mannschaft = Italien) ja auch durchaus ?rational? ist. Doch ob irgendjemand bei irgendeiner blöden Sache Spaß hat, ist vielleicht ein Maßstab des bürgerlich-pragmatischen Denkens, aber kein Maßstab der (kritischen) Vernunft.

Die vereinzelten Individuen sehnen sich also nach sinnhaftem Handeln, Mythos, Kollektivität und danach, dass überhaupt mal etwas passiert, und finden eine sehr gute Antwort auf diese Suche in Massenveranstaltungen wie eben der EM. Gleichzeitig bleiben all diese Bedürfnisse objektiv unerfüllt, ihre Erfüllung findet nur in der Imagination statt, auch wenn sie sich temporär (etwa beim ?Public Viewing?) realisieren mag. So ist die ganze Mühsal zu erklären, die mit der Aktivierung der Massen verbunden ist, aber auch die gezwungene Feuchtfröhlichkeit in vielen Biergärten. So richtig in Ekstase über ?unser? neues Tor gerät man halt doch erst nach dem dritten Bier.


Die verzückte Jungfrau.

Zugleich wäre es verkehrt, den gewaltigen Einfluss, den kommerzielle Interessen auf das ganze Spektakel haben, zu unterschätzen. Fußball ist eben mehr als ein bloßer Sport, sondern Teil einer gigantischen Verwertungskette, die immer absurdere Züge annimmt (s.o.). Die Fußball-Manie kann schon allein aus diesem Grund nicht als spontaner Ausdruck irgendwelcher a priori vorhandener Bedürfnisse gesehen werden, sondern als Produkt einer perfektionierten Verzahnung verschiedener Manipulationsmechanismen, die dann letztendlich dazu führen, dass den Menschen ihr irres Verhalten als völlig selbstverständlich erscheint, während es geradezu befremdlich wirkt, wenn sich jemand ? noch dazu als Mann (!) ? überhaupt nicht für Fußball interessiert. Während sich die Leute also einbilden, im Fußball all das kompensieren zu können, was ihnen diese Gesellschaft nicht zu bieten vermag, und vielleicht sogar eine gewisse Autonomie vermuten, werden sie selbst zum Teil einer Verwertungskette und reproduzieren genau den Scheiß, dem sie eigentlich zu entfliehen suchen. Sie sind vielleicht da am meisten Objekte heteronomer Kontrollmechanismen, wo sie sich eigentlich am freiesten fühlen.

Zugleich tauchen die durchaus auf eine andere Gesellschaft als den Kapitalismus verweisenden Bedürfnisse, die im Fußball zu Tage treten (etwa das nach einem Ende der Vereinzelung), selbst nur noch in vollkommen entstellter Form auf und werden von immanenten Bedürfnissen wie dem nach Erfolg in der Konkurrenz, die doch wiederum auf Vereinzelung basiert, überlagert. In der Struktur des Fußballspiels wird im Gegenteil so etwas wie ein mythisches Bild des Lebens im Kapitalismus gegeben, das den Leuten perfiderweise als Genuss dient. Konkurrenz, Durchsetzungsfähigkeit, Maskulinität, Unterordnung ins ?Team? etc.pp. sind gleichsam in der verkorksten Wunschwelt wie in der Realität der Zuschauer zu Hause. Indem sich der Zuschauer ihnen in mythischer Form ausliefert, kann er sich im Alltag besser ertragen. Es sind in seinen Augen keine abzuschaffenden Scheußlichkeiten, sondern ewige Wahrheiten wie die Rivalität zwischen Holland und Deutschland. In affirmativen Kulturereignissen kommen die Menschen eben zu keiner Erkenntnis über irgendeine Sache, sondern werden von den Dingen, wie sie sind, geradezu fortgerissen. So etwas wie eine kritische Distanz ist weder erwünscht noch entspricht sie den Wünschen des Publikums. Ein Tor der favorisierten Mannschaft führt ebenso unmittelbar zu Jubelausbrüchen wie ein Tor der gegnerischen zu Wut (bei Männern) oder Tränen (bei Frauen)2. Dies ist dann eben nicht die Tragik, die darin besteht, dass es in dieser Welt immer Verlierer und Gewinner gibt, ohne dass der Einzelne daran etwas ändern könnte, wie sie in so vielen Kunstwerken formuliert wird, sondern die Wut/Trauer entspringt einer ganz platten Identifikation mit dem Geschehen. Während das Kunstwerk zwar mit dem Fußballspiel darin übereinstimmt, das zur Schau gestellte Leiden als eigen Mythos, als unentrinnbares Schicksal zu inszenieren, und darin affirmativ ist, so gibt es dennoch einen richtigen Eindruck von der Welt, der, in reflektierter Form, zu einer richtigen Erkenntnis über sie führen kann (auch wenn diese Erkenntnis dem zuvor gewonnen Eindruck widerspricht)1.

Im Fußball wird jedoch dem Fan, wie er sich durchschnittlich verhält und das Geschehene rezipiert ? er rezipiert es so, wie es ihm von der rezipierten Sache selbst nahe gelegt wird, nämlich nicht distanziert, sondern identifikatorisch ? weder das eine noch das andere nahe gelegt. Er ist also Teil einer affirmativen Kultur, die dahin tendiert, jeden Widerspruch gegen die Gesellschaft einzuebnen, während die Kunst in früherer Zeit bis zu einem gewissen Grad stets ein Ort der Distanz vom allgemeinen Weltlauf war, die eben die Voraussetzung für Subversion darstellt.

Ein vorsokratischer Philosoph traf einst die Wertschätzung, dass bei den olympischen Spielen der Händler am schlechtesten sei, der Spieler am zweitschlechtesten und der Zuschauer am besten, da er in Distanz des Zuschauers eben eine ethische Qualität, ein Vorrecht sah. Heute würde er wahrscheinlich die olympischen Spiele als Ganzes ablehnen.


Stimmt, wenn es einem schlecht geht hat man immer jemanden zum Reden. Gut, dass wir von adidas darüber informiert werden, dass unsere subjektiven Eindrücke schon immer falsch waren.

Nachträge:

Jemand, der anderer Meinung ist, entschuldigt sich für seine Gedankenverbrechen.

Der Focus phantasiert vom “linken Wirr-Gefühl” und von der schwarz-rot-goldenen Flagge als freiheitlichem Symbol (vgl. letzter Beitrag).

Vielleicht bei der nächsten Wahl doch die Grünen wählen?

Oder andere Konsequenzen ziehen?

  1. Wenn hingegen Freude zum Ausdruck kommt, dann ist es nicht, wie noch in der primitivsten Komödie, etwa die Freude darüber, einer Gefahr entronnen zu sein, sondern das Wohlbehagen an der Niederlage des Anderen. [zurück]
  2. Diese geschlechtsspezifischen Zuschreibungen sollen nur die herrschenden Stereotypen verdeutlichen. In Wahrheit ist es natürlich nicht ganz so, und im Fußball ist es okay, wenn auch der Mann mal heult und auch Frauen dürfen aggressiv werden (siehe obiges Bild). [zurück]

by Bärbel at June 16, 2008 01:54 PM

June 14, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Turbulenter Freitagabend in der Isarvorstadt

(images/stories/gegennazis/2008-06-13_keinfussbreit.jpg) Rund 75 Neonazis um die Freien Nationalisten München nahmen eine Informationsveranstaltung des a.i.d.a.-Archivs (index.php?option=com_content task=view id=224...

June 14, 2008 03:00 AM

Antifa Horgau

Schwarz-Rot-Gold im deutschen Liedgut

Seit zwei Jahrhunderten bedienten sich kreative Köpfe der jeweiligen Sprache ihrer Zeit, um dem anscheinend zeitlosen Gefühl ihrer tiefen emotionalen Bindung an die heimatliche Scholle Ausdruck zu verleihen. Einige Beispiele aus dem Bereich der Liedtexterei:

Schwarz-Rot-Gold sind meine Landesfarben,
dunkler Nacht folgt gold?nes Morgenrot.
Für Alldeutschland Waldecks Söhne starben,
deutsche Treu? bewahrend bis zum Tod.

(aus dem Lied “Mein Waldeck”, frühes 19. Jh.)

Stoßt an, Schwarz-Rot-Gold lebe!
Hurra Hoch! Der die Sterne lenkt am Himmelszelt,
Der ist?s, der uns?re Fahne hält.
Heil, Deutschland, Heil!
Stoßt an! Midgard soll leben!
Hurra hoch! Von des Bottenmeeres höchstem Hort,
bis Donau, Zuidersee und Fjord.
Heil Midgard! Heil!

(aus dem “Midgard”-Lied, spätes 19. Jh.)

Ein Schluck vom schwarzen Kaffee macht mich wach
Dein roter Mund berührt mich sacht
In diesem Augenblick es klickt
Geht die gelbe Sonne auf.

(aus dem Lied “Was es ist” von der Band MIA, 2000er)

Flanke, Kopfball, Tor -
Ja,so stellen wir uns unsere Mannschaft vor.
Favoriten das sind wir.
Ob Schwarz, Rot, Gold wir stehn zu dir!
Auf den Ecken schallt es im Chor:
“Deutschland vor!”

(aus dem Lied “Schwarz & Weiß” von Oliver Pocher, 2000er)

Da lobt man sich doch den guten alten Heinrich Heine:

Doch als die schwarz-rot-goldene Fahn,
Der altgermanische Plunder,
Aufs neue erschien, da schwand mein Wahn
Und die süßen Märchenwunder.
Ich kannte die Farben in diesem Panier
Und ihre Vorbedeutung:
Von deutscher Freiheit brachten sie mir
Die schlimmste Hiobszeitung.

(aus dem Gedicht “Michel nach dem März”)

(Überwiegende Quelle dieses Beitrags: der Wikipedia-Eintrag zum Thema)

by Bärbel at June 14, 2008 02:34 AM

June 13, 2008

Antifa Horgau

Zur Psychologie des Patriotismus

Wenn man selbst grau ist, hat man es wohl nötig, sich mit den Farben eines Kollektivs zu schmücken. Naja, wenigstens ist der Blick selbstbewusst stur gen Zukunft gerichtet, zur Sonne, zur Freiheit.

by Bärbel at June 13, 2008 01:08 AM

June 11, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Wunsiedel rüstet sich für den 16. August 2008

Wie bereits berichtet (index.php?option=com_content task=view id=1055 Itemid=225), entscheidet das Bundesverwaltungsgericht (BVG) am 25. Juni 2008 über das Hauptsacheverfahren des Rudolf-Heß-Gedenkmarschs...

June 11, 2008 12:19 PM

June 09, 2008

Antifaschistische Linke Kitzingen (ALK)

Nazis in Marktheidenfeld stoppen

Nazis in Marktheidenfeld stoppen

You can get it if you really want - Naziaufmarsch in Marktheidenfeld verhindern!

Wir müssen euch nicht erklären, warum FaschistInnen scheiße sind. Wir müssen euch nicht erklären, weshalb es zu jeder Zeit, an jedem Ort notwendig ist, sich dem rechten Treiben entgegen zustellen. Wir müssen euch auch nicht klar machen, warum Nazi-Aufmärsche, wie jener von Tony Gentsch (Kameradschaftsbund Hochfranken) angemeldeten, am 14. Juni in Marktheidenfeld (Main-Spessart) unter allen Umständen verhindert werden müssen. Ihr kennt die menschenverachtende Ideologie der (Neo-)Nazis! Ihr kennt das Schicksal derjenigen Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Ausrichtung oder ihres Glaubens (etc.), jeden Tag zu spüren bekommen, dass sie bei vielen Menschen als minderwertig gelten. Ihr kennt den alltäglichen braunen Terror auf den Straßen, der sich blutig gegen all Jene richtet, die nicht in das eindimensionale, rechte Weltbild von Volk und Nation passen!
Ihr seid euch daher der Notwendigkeit antifaschistischer Praxis bewusst. Deshalb fordern wir euch auf:
Kommt am 14. Juni in die unterfränkische Peripherie nach Marktheidenfeld. Helft mit, den Aufmarsch der FaschistInnen aus dem Umfeld der sogenannten ?freien Kräfte? aus Franken, Hessen, Thüringen und Sachsen zu verhindern. Ziel ist es, die Demonstration der FaschistInnen unter allen Umständen durch kreative und dezentrale Aktionen zu blockieren.
Wir sind uns dessen bewusst, dass wir mit diesem Engagement die Wurzeln des Faschismus nicht beseitigen werden. Diese liegen viel zu fundamental in der ökonomischen Basis der kapitalistischen Gesellschaft verankert. Wir wissen aber auch, dass diese Gesellschaft bis zum Tag ihrer Überwindung faschistische Ideologien produzieren wird, und dass diese eine beständige Gefahr darstellen-nicht zuletzt auch für eine entschlossene linke Politik.
Wenn wir uns also am 14. Juni den Rechtsextremen in Marktheidenfeld in den Weg stellen werden, tun wir das nicht, um die liberale Form der bürgerlichen Gesellschaft vor ihren reaktionären Kindern zu schützen. Sondern wir wollen verhindern, dass es den Neonazis gelingt, öffentlichen Raum einzunehmen, sich in einer Region weiter ein zu nisten, in der sie ohnehin schon viel zu sattelfest sitzen. Wir tun dies, um zu verhindern, dass MigrantInnen, Menschen anderer Hautfarbe sowie Menschen mit Behinderungen neben der alltäglichen Ausgrenzung auch körperliche Gewalt zu fürchten haben -und, last but not least, um linker Politik eine Perspektive zu bewahren.
Daher unser Aufruf:
Nazi-Aufmarsch verhindern! Mit allen Mitteln!

Weitere Infos unter: http://www.wegmitnazis.de.vu/

by ALK at June 09, 2008 03:08 PM

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Bayerische NPD-Sommerfeste auf Schmalspur

Günzburg/Weißenohe. Zwei extrem rechte Sommerfeste konnten in Bayern erneut nur überschaubaren Zulauf verbuchen. In Günzburg (Schwaben) kamen 400 Rechte zum...

June 09, 2008 01:34 PM

June 06, 2008

Antifa Horgau

Zommunismus

In einem sehr informativen Interview informiert (dreifache Alliteration, olè!) der aka aua über die neuste unter den neuen linken Strömungen, den “Zommunismus”. Wir diskutieren noch heftig über unsere Position zu diesem neuartigen Phänomen und schweigen deshalb betreten.

by Bärbel at June 06, 2008 03:47 PM

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

NPD finanziert Protest gegen ihren Parteitag

Bamberg. Das Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus hat heute die Erlöse aus der Vermietung der Konzert- und Kongresshalle an die NPD...

June 06, 2008 11:36 AM

June 04, 2008

a.i.d.a. - Termine für München und Süddeutschland

28. Juni 2008, Augsburg

Infostand der VVN/Bund der Antifaschisten von 10 bis 16.00 Uhr, Bahnhofstr./Fuggerstr.

June 04, 2008 10:40 AM

a.i.d.a. - Termine für München

22. Juni 2008

Stadt-Viertel-Geschichten: NS-Spurensuche im Münchner Norden 2.

June 04, 2008 10:38 AM

11. Juni 2008

Stadt-Viertel-Geschichten: NS-Spurensuche in Schwabing. Jüdisches Leben in den 30er Jahren.

June 04, 2008 08:37 AM

13. Juni 2008, Kafe Marat

Antifaschistische Kundgebung vor dem Kafe Marat, Thalkirchner Straße 104, ab 18 Uhr.

June 04, 2008 08:34 AM

13. Juni 2008, Kafe Marat

Eine Informationsveranstaltung von a.i.d.a. über die aktuelle Neonazistruktur in München und die Arbeit des Archivs.

June 04, 2008 08:25 AM

June 02, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Schlammschlachten unter Parteifreunden

Elgersburg/Weißenohe. Die innerparteilichen Schlammschlachten in der NPD haben sich vor allem in zwei Bundesländern zum offenen Schlagabtausch entwickelt. In Thüringen...

June 02, 2008 11:46 AM

June 01, 2008

Antifaschistische Linke Kitzingen (ALK)

Frankentag der Npd in Weißenohe (bei Gräfenberg)

Gestern erreichte uns die Information, dass die NPD ihren Nationalen Frankentag in Gräfenbergs Nachbarort Weißenohe abhalten wird.
Hierzu hat ihre Unterorganisation Bund Frankenland e.V. für das gesamte Wochenende vom 6.-8. Juni 2008 vom Brentana Wohnbaufond Zirndorf für einen symbolischen Preis das komplette Weißenoher Kloster samt dessen Außenflächen zwischen Kinderspielplatz, Kirche und Friedhof angemietet. Dort will sie am Samstag von 12 bis 23 Uhr mit ca. 300 Rechtsradikalen mitten im Ortskern mit neonazistischer Musik und mit Propagandareden ihre antidemokratischen und rassistischen Hetzparolen verbreiten.

Quelle: Bürgerforum Gräfenberg

by ALK at June 01, 2008 07:33 PM

May 29, 2008

Antifa Horgau

Rassismus, Biologie und Rassenlehre

Auf der Seite shoa.de befindet sich neben vielen anderen Artikeln dieser Artikel über eine grundlegende Kritik am Rassismus, die darauf abzielt, ihn nicht nur moralisch, sondern auch wissenschaftlich zu entkräften. Nicht nur die unterschiedliche Bewertung von Rassen, sondern bereits deren Annahme an sich ist nämlich wissenschaftlich widerlegt.

by Bärbel at May 29, 2008 06:23 PM

May 27, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Republikaner planen Europa-Kongress in Rosenheim

Rosenheim. Im Oberbayerischen soll im Juni ein von den Republikanern (REP) veranstalteter Europa-Kongress stattfinden. Angekündigt wird...

May 27, 2008 12:08 PM

May 26, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Mit "nationalem Sozialismus" an die "Westfront"

BAMBERG. Zum Abschluss des NPD-Parteitages versuchte sich der wiedergewählte Parteichef Udo Voigt heute dann doch noch an einer politischen Perspektive:...

May 26, 2008 05:54 PM

May 25, 2008

Antifaschistische Linke Kitzingen (ALK)

Black is Beautiful - München 31. Mai

Black is Beautiful

Am Samstag dem 31.Mai 2008 findet in München eine Großdemonstration gegen das neue Versammlungsgesetz statt.
Beginn ist um 14.00 Uhr am Geschwister-Scholl-Platz in München.
Nehmen wir den Angriff auf eines der wichtigsten politischen Grundrechte nicht hin und erheben dagegen unsre Stimme. Das neue Versammlungsgesetz, das die Bayerische Staatsregierung einführen will, ist wie ein Wunschtraum des Polizeistaates. Dieses Gesetz fügt sich nahtlos in eine Reihe der andren scheiß Gesetzen, die der Überwachung und Kontrolle dienen ein.

Was bedeutet das für uns?

stärkere Polizeikontrollen bei Versammlungen
Rechtswidrige Praktiken der Grünmänner und Behörden werden gesetzlich verankert
Die Cops dürfen bei allen Versammlungen ohne Grund ?Übersichtsaufnahmen? erstellen, die beliebig lange gespeichert werden.
Versammlungsleiter können für das geschehen auf der Demo verantwortilich gemacht werden und Ordner können von Behörden und Polizei als ?ungeeignet? abgelehnt werden.
Der Grund des ?Militanzverbots? gibt der Polizei die Handhabe, gegen Demonstrationen oder Teilnehmergruppen vorzugehen, wenn sie in gleicher Kleidung auftreten und so angeblich ?einschüchternd? wirken.

Nehmen wir diese Einschränkungen so nicht hin und gehen am 31.Mai 2008 gemeinsam auf die Straße um unsren Unmut kund zu geben.

-Ihr könnt euch so viele Gesetze ausdenken wie ihr wollt, doch eins gilt immer!
IHR BEKOMMT UNS NICHT STILL !!!


by ALK at May 25, 2008 05:02 PM

May 24, 2008

Antifa Horgau

Über das Verrücktsein

“Und woher weißt du, dass du verrückt bist?” fragte sie weiter.
“Das will ich dir an einem Hund erläutern”, sagte die Katze. “Die sind nicht verrückt, das gibst du doch zu?”
“Ja, vermutlich nicht.”
“Gut”, fuhr die Katze fort. “Wie du weißt, knurrt ein Hund, wenn er wütend wird, und wedelt mit dem Schwanz, wenn er sich freut. Ich dagegen knurre, wenn ich mich freue, und wedele mit dem Schwanz, wenn ich wütend werde. Folglich bin ich verrückt.”

(Aus: Lewis Carroll, Alice im Wunderland)

by Bärbel at May 24, 2008 02:37 PM

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Alter Vorsitzender, alte Stümperei

BAMBERG. Trotz der angekündigten Öffentlichkeits-Offensive bleibt nach dem ersten Tag des NPD-Bundesparteitages alles beim Alten: niemand wagte den Sturz des...

May 24, 2008 12:00 AM

May 23, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

"Hallo Welt" ohne störende Journalisten

BAMBERG. Ungewohnte Offenheit verspricht die NPD: erstmals soll der Bundesparteitag am Wochenende komplett im Internet gesendet werden. Doch kritische Journalisten...

May 23, 2008 05:01 PM

May 22, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Auch im Mai: a.i.d.a.-Antifa-Magazin bei Radio Lora

Seit Januar 2008 erweitert ein monatlisches Radiomagazin auf Radio Lora München den publizistischen Bereich der Antifaschistischen Informations,- Dokumentations- und Archivstelle...

May 22, 2008 12:00 AM

May 21, 2008

a.i.d.a. - Sonderseite Wahlen 2008

Nürnberg: Hausdurchsuchung bei BIA-Stadtrat

Beim neuen Nürnberger Bürgerinitiative Ausländerstopp -Stadtrat Sebastian Schmaus, auf dessen neonazistische Anti-Antifa -Tätigkeit Nürnberger AntifaschistInnen in der Vergangenheit...

May 21, 2008 12:04 AM

May 20, 2008

a.i.d.a. - Aktuelle Meldungen

Nürnberg: Hausdurchsuchung bei BIA-Stadtrat

Beim neuen Nürnberger Bürgerinitiative Ausländerstopp -Stadtrat Sebastian Schmaus, auf dessen neonazistische Anti-Antifa -Tätigkeit Nürnberger AntifaschistInnen in der Vergangenheit...

May 20, 2008 10:04 PM

Investigate Thor Steinar: Kritische Auseinandersetzung mit einer umstrittenen Marke

Die Gruppe Investigate Thor Steinar hat eine Informationsbroschüre zur Modemarke Thor Steinar veröffentlicht. Darin gibt die...

May 20, 2008 12:39 PM

May 19, 2008

Antifa Horgau

Der ewige Gaukler

Durch die häufige Beschäftigung mit Antisemitismus und Rassismus wird in der Linken oft eine ebenfalls äußerst wirkungsmächtige Spielart projektiver rassistischer Ideologien - gerade auch international betrachtet - der so genannte Antiziganismus, der rassistische Hass gegen als “Zigeneuer” klassifizierte Personen, etwas vernachlässigt. Dabei zeigen gerade die jüngsten Vorfälle in Italien, wo antiziganistischer Rassismus selbst von den linken Parteien geschürt wird, Russland, Ungarn, Tschechien, Frankreich, Bulgarien und der Türkei, dass das Feindbild “Zigeneuer” eine hohe Anziehungskraft besitzt. Und auch in Deutschland kennt man die Geschichten von den “asozialen Zigeunern”, die Igel und kleine Kinder essen (oder so ähnlich) nicht nur in Kreisen, in denen das Schimpfwort “Zigeunerjude” gebräuchlich ist.4 Einen Überblick über die aktuelle Situation der Sinti und Roma (so ihre Eigenbezeichnung - “Zigeuner” selbst ist ein pejorativer Ausdruck wie “Neger”) in Europa bietet dieser taz-Artikel.
Das interessante ist dabei, dass gerade hier der Konstruktivismus rassistischer Kategorien besonders deutlich zu Tage tritt - denn ein Volk names “Zigeneuer” gibt es erst, seitdem man diverses “fahrendes Volk” und andere “asoziale” Randgruppen darunter subsumiert hat. Nichtmal die NS-Rassenlehre schaffte es, eine Rasse der “Zigeneuner” “wissenschaftlich” belegen zu können. Dennoch kamen tausende von ihnen in den Konzentrationslagern ums Leben3.

Man könnte vielleicht sagen, dass sich im Bild des “Zigeneuners” die gesamte Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft seit dem Mittelalter spiegelt - der “Zigeneuner” ist gewissermaßen das konstruierte Spiegelbild des normalen Bürgers - allerdings im Gegensatz zum “Juden” nicht mächtig, sondern gerade das Gegenteil: ohnmächtig und verschlagen, zu allen kriminellen Schandtaten bereit, sexuell überaktiv, ständig umherschweifend (also weder verwurzelt noch bodenständig) aber auch künstlerisch begabt und von faszinierend-exotischem Aussehen. Als Arbeiter, als zivilisiertes Mitglied der Gesellschaft ist er wegen seiner Faulheit und Fahrigkeit absolut untauglich. Es ist der ideele Antibürger - Alptraum der Spießer und Identifikationsfigur der bohemistischen Künstler1. In ihm, der natürlich primär ein Produkt der Phantasie ist, ist virtuell die gesamte Leidensgeschichte Europas - die Geschichte der gewaltsamen Zerstörung der feudalen Verhältnisse, der Ausrottung prämoderner Restbestände, der Disziplinierung der Bauern, der Entzauberung der Wälder und Berge, der Begradigung der Flüsse - enthalten, er steht für alles, was unwiderbringlich dem so genannten “Fortschritt” zum Opfer fiel - und muss deshalb immer wieder aufs Neue bekämpft oder integriert werden. Für dieses seltsame Volk ewiger Gaukler (das es natürlich nur in der Imagination ist), ist kein Platz im neuen europäischen Imperium der Notwendigkeit - sei es in Rom oder in Istanbul. Und wenn sich das Europäische Parlament dazu äußert, weißt es auf “die weite Verbreitung der Zigeunerfeindlichkeit und ihre diskriminierenden Auswirkungen auf die Chancen im Bereich Beschäftigung, Bildung und soziale Dienste für die am meisten benachteiligte ethnische Minderheitengruppe in der Europäischen Union” hin - misst also die Unterdrückung selbst am Maßstab der bürgerlichen Normalunterdrückung. Die Unterdrückten sollen unterdrückt werden, um nicht mehr unterdrückt zu werden.

Zum Abschluss ein wohl typisches Zeugnis des europäischen Proziganismus - der bis in die Walt-Disney-Welt nachwirkt (”Der Glöckner von Notre Dame”): das Gedicht “Zigeuner unterwegs” (Originaltitel: “Bohémiens en voyage”) vom französischen Dichter Charles Baudelaire:

Das Volk, das wahrsagt, mit den kühnen Augen,
Brach gstern auf und trug die Kleinen mit
Auf seinem Rücken; ihrem Appetit
Bot immer sich die schlaffe Brust zum Saugen.

Neben dem Wagen, wo die Ihren kauern,
Zu Fuß mit blanker Waffe Männer gehn,
Die mit verhangenem Blick zum Himmel sehn
Und, daß sich dort kein Trugbild zeigt, bedauern.

Die Grille, die am Grund des Sandlochs sieht,
Wie sie vorübergehn, verstärkt ihr Lied;
Kybele2, die sie liebt, läßt Grün sich breiten,

Läßt Felsenquellen sprudeln, Wüsten blühn
Für diese Wanderer, die weiterziehn
In das vertraute Reich zukünftiger Dunkelheiten.

  1. Das Wort “Boheme” leitet sich ja selbst auch von einem französischen Wort für “Zigeuner” ab. [zurück]
  2. Römische Mutter- und Fruchtbarkeitsgöttin [zurück]
  3. Die genauen Zahlen sind unbekannt, da die in Osteuropa lebenden Sinti und Roma kaum bürokratisch erfasst waren. Heute leben in der EU 5 Millionen von ihnen, in Deutschland ca. 600000. Es ist übrigens kein Zufall, das alle verlinkten Artikel aus der taz stammen - die berichtet einfach oft über derartige Zwischenfälle und hat ein recht praktikables Internetarchiv.[zurück]
  4. So finden derartige Selbstverständlichkeiten auch im deutschen Feuilleton ihren berechtigen Stammplatz. [zurück]

by Bärbel at May 19, 2008 06:11 AM

May 18, 2008

Antifa Horgau

Demo gegen neues Versammlungsrecht

Am 31.5. wird in München eine Großdemo gegen die geplante Erneuerung des bayrischen Versammlungsrechts stattfinden (wir berichteten). Mehr Infos gibt es auf dem Blog “Black is beautiful”, der noch vieles weitere rund um das Thema beinhaltet.

by Bärbel at May 18, 2008 09:05 AM

Einführung in Kapitalismuskritik

Das “Bündnis gegen Kapital und Nation” hat ein sehr lesenswertes “Handbuch Kapitalismuskritik” veröffentlicht. Darin enthalten ist eine umfassende und leicht verständliche Darlegung einer radikalen Kritik an bürgerlichem Staat und kapitalistischer Wirtschaft. Zu finden ist die Broschüre im pdf-Format auf der Website des BGNK. Insbesondere die graphische/künstlerische Gestaltung ist wirklich einen Blick wert.

by Bärbel at May 18, 2008 08:59 AM

May 16, 2008

Antifa Horgau

?Nazi-Angie? vs. ?Populisten-Hugo? Part III

Anschließend an die bisherigen beiden Artikel unserer Serie “Nazi-Angie” vs. “Populisten-Hugo” soll im folgenden (und letzen) das Interview, das die umstrittene deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (54) im Vorfeld des Streits gab, kritisch untersucht werden. Anhand der Äußerungen der wirtschaftsliberal ausgerichteten Rechtspopulistin, die vom ebenfalls umstrittenen venezualinischem Präsidenten Hugo Chavez (541) in die politische Nähe des deutschen Diktator-Nazis Adolf Hitler (1889-1945) gerückt wurde, soll eine allgemein Kritik an der wirtschaftsliberalen Fortschrittsideologie geübt werden.

Die Überschrift “Merkel will Amerika unterstützen” ist, wie man später sehen wird, schon einmal höchst fragwürdig. Journalismus scheint für gewisse Leute anscheinend zu heißen, die Propaganda der Politiker nicht nur unhinterfragt wiederzugeben, sondern sogar noch durch zuvorkommendes Engagement zu toppen.

“Brasilien und Mexiko haben bereits neue Ansätze in der Sozialpolitik eingeführt.”

Seltsamerweise gibt es jedoch auch gegenteilige Äußerungen. So etwa in dieser Sammlung von Berichten über Brasilien aus den letzten Jahren. Dort heißt es z.B.:

Angesichts der von Lula und seiner Arbeiterpartei verfolgten Politik wird deutlich, daß sich in einem Großteil der deutschsprachigen Medien, aber auch in einem beträchtlichen Teil der gewöhnlich als links, progressiv und drittweltbewegt bezeichneten Szene Europas bereits lange vor Lulas Amtsantritt offenbar die Kriterien dafür verschoben haben, was und wer in der Welt just als ?links? bzw. ?progressiv? gelten können. So wird beispielsweise Lula trotz seiner nie widerrufenen Bewunderung für Hitler [sic!] kurioserweise als Linker eingestuft, obwohl er selbst klarstellte:?Mein ganzes Leben lang mochte ich überhaupt nicht, als Linker, Linksgerichteter klassifiziert zu werden.? Zahlreiche brasilianische Politikexperten, aber auch Weggefährten haben immer wieder betont, daß Lula nie der Linken angehörte. Spätestens seit den neunziger Jahren ist bestens bekannt, daß Lula und die Spitze seiner Arbeiterpartei keineswegs einen links-progressiven Kurs verfolgten. Trotz der seit dem Amtsantritt verfolgten Politik in Bezug auf Bankiers und andere Unternehmer, auf Slumbewohner, auf Rechtsparteien und Diktaturaktivisten, auf Menschenrechte oder Umwelt-und Naturschutz betriebenen Politik werden Lula, seine Regierung und die Arbeiterpartei weiterhin als links und fortschrittlich klassifiziert. Brasiliens katholische Kirche legte interessanterweise lange vor Lulas Amtsantritt deutlich andere Maßstäbe an.

Quelle

Ein paar Absätze weiter verrät Merkel aber wesentlich profanere Gründe für ihre Sympathien als politische Streitfragen: “Mit Brasilien und Mexiko besuche ich die wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Lateinamerika.”

“Jedes Land hat seine eigene Stimme, mit der es seine eigenen Interessen verfolgt.”

Zu Fragen wäre, warum das ausgerechnet bei Deutschland bzw. der EU anders sein sollte. Oder ist die Armutsbekämpfung etc. das tatsächliche Interesse Deutschlands in Südamerika? Dann müsste Merkel aber in der Lage sein, die berechtigte Frage von Chavez zu beantworten, warum die westlichen Staaten z.B. nichts tun, um Haiti zu helfen.

“Ich glaube nach unseren Erfahrungen in Europa nicht daran, dass Staatswirtschaften auf die drängenden Probleme bessere und nachhaltige Antworten geben.”

Ganz davon abgesehen, dass Venezuela ja alles andere als eine Staatswirtschaft betreibt, sondern die Verstaatlichungen nur einige wenige Sektoren betreffen, zeigen doch gerade Länder wie China oder Japan, dass eine Wirtschaft mit hoher staatlicher Lenkung für Entwicklungsländer eine ziemlich gute Lösung ist.
Aber vielleicht meint Merkel mit “Antworten geben” auch etwas Anderes als wirtschaftlichen Erfolg …4

“Peru hat in den letzten Jahren große Fortschritte erzielt in der Festigung der demokratischen Ordnung. Die Zivilgesellschaft ist heute selbstbewusst und artikuliert sich. […] Fortschritte bei der Armutsbekämpfung, bei Bildung und Gesundheitsvorsorge, aber auch bei der Korruptionsbekämpfung bieten generell die beste Gewähr, das Land in seiner demokratischen Entwicklung weiter zu fördern. Wir werden Präsident Garcia dabei unterstützen.”

Zu der Haltung von Präsident Garcia gegenüber Artikulationen der Zivilgesellschaft hier ein treffendes Beispiel:

Im Bereich Bergbau suchen die betroffene Bevölkerung und ihre Organisationen nach Alternativen, die ihre demokratische Teilnahme an politischen Entscheidungen ermöglichen, um weitere soziale Konflikte zu verhindern. So fand in Huancabamba und Ayabaca in der Region Piura im September 2007 eine Volksbefragung statt. Diese ermöglichte, dass die Bevölkerung dieser Region ihr Recht auf Meinungsfreiheit und Mitbestimmung über das Bergbauprojekt ausüben konnte. Bei einer Wahlbeteiligung von 60 % lehnten 95 % der Wahlbeteiligten das geplante Bergbauprojekt ab. Viele der WählerInnen mussten bis zu fünf Stunden Fußweg laufen, um die Wahlurnen zu erreichen. Sie zeigen damit, dass sich ihrer Verantwortung als Bürger bewusst sind. Als ?Fest der Demokratie? bezeichnen das Ereignis viele Politologen und Juristen in Peru. Trotzdem hat die peruanische Regierung versucht, die InitiatorInnen des Volksbegehrens zu kriminalisieren und das Ergebnis nicht nur nicht anzuerkennen, sondern es zugleich als wirre Entscheidung einer von ausländischen AgitatorInnen geleiteten, kommunistischen, gegen die Zukunft Perus orientierten Bevölkerung abzuqualifizieren.

Quelle

Ich denke, anhand dieser Beispiele wird deutlich, welche Politiker die deutsche Bundeskanzlerin für unterstützenswert und welche für schädliche “Populisten” hält.

Geschickt geht Merkel im Übrigen mit dem Problem um, dass es an dem Ist-Zustand in den zu lobenden Ländern wenig zu loben gibt. In diese Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit tritt die Kategorie “Fortschritt”, verstanden als langsame, aber sichere Annäherung an die Verhältnisse, wie sie in den westlichen Staaten bereits sind, wenn sich die Staaten nur als willige Kooperationspartner bewähren und den “Ratschlägen” ihrer westlichen “Partner” nachkommen. Es handelt sich hier um einen klassischen Baustein herrschaftlicher Propaganda: Leiden im Hier und Jetzt werden mit einer besseren Zukunft gerechtfertigt. Per aspera ad astra5. Angesichts des tatsächlichen Wohlstands in den westlichen Staaten und den hohen Wachstumsraten in Staaten wie China, Indien oder in Südostasien besitzt dieses Versprechen auch eine gewisse Plausibilität. Zu Fragen sind allerdings drei Dinge: 1. Ist die Aussicht, den versprochenen Zustand zu erreichen, für die Entwicklungsländer realistisch? 2. Führt das Befolgen der westlichen “Ratschläge” wirklich zu den gewünschten Konsequenzen? 3. Ist die “demokratische Ordnung” wirklich so erstrebenswert?

Die ersten beiden Punkte wurden in dieser Artikelreihe schon ansatzweise behandelt. Das Problem ist, dass der Aufstieg der westlichen Staaten selbst an Bedingungen geknüpft war, die in den Entwicklungsländern heute überhaupt nicht vorhanden sind, etwa die koloniale Ausbeutung4. Und gerade Schutzzölle waren in den westlichen Staaten bis vor wenigen Jahrzehnten gang und gäbe (es gibt in vielen Bereichen noch heute welche - der Abbau von Handelsschranken, den die Industrieländer von den Entwicklungsländern penetrant fordern, erfüllen sie selbst nur sehr eingeschränkt- aus guten Gründen). Zugleich ist es im industriellen Bereich wegen der fortschreitenden Automatisierung immer unprofitabler, menschliche Arbeitskraft zu beschäftigen. Die Arbeitskräfte, die noch beschäftigt werden, werden dafür immer brutaler ausgebeutet und können daher kaum zur Bildung einer zahlungskräftigen Konsumentenschicht - aus der sich soetwas wie eine “Zivilgesellschaft” nach westlichem Muster erst entwickeln könnte - beitragen.
Beispiele wie China und Japan (s.o.), aber auch die Entwicklung des Wohlstands in den westlichen Staaten selbst zeigen, dass gerade die Öffnung der Märkte für unterentwickelte Staaten ein höchst unvorteilhafter Weg zum Wohlstand ist. Zudem wird das durchaus stattfindende Wirtschaftswachstum in den Staaten, die ihre Märkte opfern, mit hohen ökologischen und sozialen Verlusten bezahlt und die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den westlichen Staaten und Konzernen wird verstärkt, anstatt gemindert zu werden (daran haben die westlichen Staaten ja auch gar kein Interesse).
Man muss zudem auch darauf hinweisen, dass die meisten sozialen und demokratischen Errungenschaften des Westen ja gerade von den Arbeitern selbst erkämpft wurden. Gewerkschaftliche Organisation und regierungsfeindliche Proteste werden von westlichen Staaten und Konzernen allerdings nicht gerade gerne gesehen - die Proteste gegen das Bergbauprojekt in Peru sind es sicher nicht, die Merkel mit mit “Artikulationen der Zivilgesellschaft” meint.

Man kann diese Art der Vertröstung recht gut mit dem stalinistischem Diktum, bis zur Weltrevolution erstmal den “Sozialismus im eigenen Land” aufzubauen, vergleichen. Hier wie dort zerstören freilich die Mittel die Zweck, der mit ihnen eigentlich erreicht werden soll und seine Erfüllung wird immer weiter nach hinten verschoben. Denn wenn eine Regierung in einem Entwicklungsland einmal sagen “Jetzt haben wir genug liberalisiert” und z.B. Arbeitschutzgesetze nach westlichem Vorbild einführen würde, würde sie gleich von den freundlichen “Beratern” aus dem Westen gemaßregelt werden (der Konjunktiv kann in diesem Satz auch weggelassen werden - das ist oft genug der Fall).

Der Zweck nun ist der Aufbau einer Gesellschaft nach westlichen Standards. Also eine breite Mittelschicht, eine stabile Demokratie, Menschenrechte, Wohlstand etc.pp. Dieser Zustand ist wohl tatsächlich die Utopie vieler Menschen aus dem Trikont - die beste aller “realistischen” Welten. Es scheint nur die Alternative zwischen Armut und Elend zu geben. Andere Weisen der Entwicklung - ob emanzipatorisch oder nicht - werden vom Westen und seinen Juniorpartnern systematisch bekämpft und als terroristisch, faschistisch oder kommunistisch denunziert. Eine wirklich qualitative Veränderung im Sinne einer Aufhebung desjenigen Systems, das für das ganze Elend und die Armut verantwortlich ist - den Kapitalismus - gerät mehr und mehr aus dem von herrschenden Interessen vorgeprägten Kosmos des überhaupt Denkbaren. Was als Fortschritt angepriesen wird bezeichnet nur quantitative Differenzen innerhalb desselben Koordinatensystems der totalen Unmündigkeit - eine Gesellschaft bürokratisch erfasster Konsumenten, denen oft selbst noch das ärmliche Leben der Andenbauern wie ein verlorenes Paradies erscheint. Lang lebe der Kapitalismus!

  1. Interessanterweise wurden beide tatsächlich im Juli 1954 geboren. Merkel ist exakt 11 Tage älter als Chavez, sie ist allerdings Krebs, er Löwe. [zurück]
  2. Generell könnte die Sprache Merkels populistischer nicht sein - es ist eine pure Aneinanderreihung nichtsagender Floskeln, um bloß niemanden zu verschrecken. So redet im Alltag nur jemand, der etwas zu verbergen hat. Das Interview ist dementsprechend eine Farce - die Fragen wirken so, als wären sie gezielt auf die zu erwartenden Antworten hin ausgelegt und einmal weißt Merkel den Journalisten in gewohnt unverfänglicher Weise darauf hin, dass er eine Frage nicht korrekt gestellt hat (”und darauf zielt Ihre Frage ja auch”). Was an einem solchen Neusprech besser als Chavez “Rüpel”-Art sein soll, bleibt zu fragen.[zurück]
  3. Ein Zitat des Apostel Paulus aus der Bibel auf Lateinisch. Zu Deutsch in etwa: “Durch Widrigkeiten zu den Sternen.” [zurück]
  4. Dieser Satz ist leicht missverständlich. Gemeint ist damit nicht, dass die Entwicklungsländer nicht ausgebeutet würden - das werden sie fraglos, und mitunter auf höchst koloniale Art - sondern, dass sie selbst im Gegensatz zu den europäischen Staaten in der frühen Neuzeit und später nicht die Möglichkeit haben, andere Staaten im großen Stil auszubeuten. Dabei hing die Industrialisierung z.B. in England wesentlich von der aus den Kolonien gelieferten Baumwolle ab. [zurück]

by Bärbel at May 16, 2008 03:47 PM

May 15, 2008

Antifa Horgau

?Nazi-Angie? vs. ?Populisten-Hugo? Part II

Dies ist der zweite Teil der Artikelserie über den Konflikt zwischen Venezuela und Deutschland im Vorfeld des Lateinamerika-EU-Gipfels in Lima. Auf möglichst abstrakter Ebene wird die machtpolitische Konstellation untersucht, die hinter diesem Konflikt steht.

Doch “der Linkspopulist” Chavez ist bekanntlich nicht erst seit seinen “umstrittenen” Äußerungen “umstritten”. Die deutsche Presse, zumindest die politisch eher rechts bis liberal stehende, hat ihn schon seit langem im Visier der “Kritik”. Dahinter steckt freilich Chavez Außen- und Wirtschaftspolitik, die darauf ausgerichtet ist, eine Allianz linker südamerikanischer Staaten aufzubauen, die untereinander kooperieren, um sich wirtschaftlich wie politisch möglichst unabhängig vom “Westen” (den USA und der EU) zu machen. Die wiederum haben ein Interesse daran, möglichst viele Freihandelsabkommen abzuschließen, damit sie billig an Rohstoffe kommen und Fertigprodukte leichter absetzen können. Entgegen der Freihandelstheorie profitiert bei solchen Freihandelsabkommen nämlich primär derjenige, der die Fertigprodukte verkauft: die bringen nämlich die großen Profite ein, während mit dem Verkauf von Rohstoffen eher bescheidene erzielt werden. Man stelle sich z.B. zwei Staaten vor: einer verkauft nur Weizen, der andere hingegen alle möglichen Fertigprodukte. Um überhaupt Weizen effektiv abbauen zu können, müssen die Bauern des einen Staates schon Traktoren, Düngemittel etc. aus dem Industriestaat kaufen. Und wieviel Gewinne sie mit ihrem Weizen machen können, wird ebenso vollständig von der zahlungskräftigen Nachfrage des Industriestaats abhängen. Um sich von der Abhängigkeit vom Industriestaat zu befreien, müsste der Agrarstaat selbst erst einmal Traktoren, Düngemittel etc. herstellen können. Dafür braucht er aber erstmal Kapital. Dies könnte z.B. vom Staat kommen. Und damit die eigenen Unternehmen gegen die wesentlich weiter entwickelte Konkurrenz aus dem Industriestaat überhaupt standhalten kann, ist es für den Agrarstaat klug, Schutzzölle zu erheben, damit die ausländischen Waren teurer werden und sich die eigenen auf dem Binnenmarkt besser verkaufen.Genau so versuchen Staaten wie Venezuela oder Bolivien vorzugehen.

Demgegenüber steht die Strategie anderer Staaten wie Mexiko oder Brasilien, die eine radikale Öffnung ihrer Binnenmärkte betreiben. Das durchaus rationale Kalkül besteht darin, dass sich ausländische Investoren anlocken lassen, mit deren Hilfe Arbeitsplätze geschaffen und heimische Wirtschaftsstrukturen aufgebaut werden. Damit nehmen sie freilich zugleich in Kauf, sich in eine große ökonomische Abhängigkeit von den westlichen Staaten und Konzernen zu begeben, die ja letztendlich immer am längeren Hebel sitzen. Kalkül steht gegen Kalkül.

Das auf nationale Unabhängigkeit besonnene erstere Kalkül passt den westlichen Staaten natürlich überhaupt nicht in den Kram. Denen sind “Partner” wie Mexiko und Brasilien lieber. Für die EU geht es zudem auch darum, den Konkurrenten USA auszustechen, der ja bekanntlich in Südamerika wesentlich präsenter ist.
Die Motive der EU, und damit auch Deutschlands, sind also alles andere als humanitärer Natur und auch die Freihandelsdoktrin dient eher dazu, den eigenen Konzernen auf die imperialen Sprünge zu helfen, als das Leben der dortigen Menschen zu bessern. 3

Dies ist freilich nun keine wesentliche Aufdeckungsleistung, auch wenn es in den meisten Medien nie so deutlich ausgesprochen wird. Einen guten Überblick über die politischen Hintergründe der “Naziaffäre” bietet insbesondere der taz-Artikel. Einen guten Überblick über die Umstände des EU-Lateinamerika-Gipfels bietet dieser Text. Wer aber etwas über die Interessen Deutschlands in dieser Region erfahren will, der braucht sich eigentlich nur das Interview durchlesen, das Merkel vor den Äußerungen Chavez gab.

  • Humanitäre oder ökologische Fragen spielen sicherlich auch eine gewisse Rolle, da extreme Armut die politische Stabilität gefährdet und auch die Industriestaaten an einer möglichst intakten globalen Natur interessiert sind. Der Begriff “wirtschaftliche Interessen” schließt eben wesentlich mehr ein als platte Geldmacherei. In Zeiten des Kolonialismus haben die Kolonialmächte die Bevölkerung der Kolonien schließlich auch nicht nur versklavt und ausgerottet, sondern in ihrem eigenen Interesse auch die “Zivilisation” verbreitet.[zurück]
  • by Administrator at May 15, 2008 05:54 PM

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